CONSTANTIN FLONDOR

Über einige Flächen mit gemeinsamen Ebenen

Diehl Cube 15. 11.–12. 12. 2013

CONSTANTIN FLONDOR

Gedanken zu Flondors Biographie – eine kurze Zusammenstellung über Leben und Werk

1966 Group 1+1+1, Stefan Bertalan, Roman Cotosman, Constantin Flondor, die Gruppe der drei Individualisten wird gegründet

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1969 Group 1+1+1 nimmt an der Nürnberg Biennale Konstruktive Kunst: Elemente und Prinzipien teil. Bertalan: Black Behaviour, Visual Identity I, II, Invariable Rhomboidal Shape; Cotosman: Quaternar I, Chromatic Fugue; Flondor: The Glass King’s Pawns, Undulating Mirage, Pulsating, Continuous.

Gottfried Sello: Wohl zum erstenmal auf einer internationalen Ausstellung sind östliche und westliche Künstler gleich stark vertreten. Endlich einmal werden die Künstler aus den Ostblockstaaten nicht als arme Verwandte behandelt“ (Zitat aus Die Zeit, 25. April 1969).

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“Nicht ausreichend anpassungsfähig, endete es damit, dass wir eine dreifache Einsamkeit entwickelten” – ist seine Diagnose der ersten Gründer der Gruppe aus Timisoara. Schon der Name 1 + 1 + 1 deutete die Vereinigung dreier Individualitäten an, die sich nicht schnell geselliger Geschwätzigkeit hingeben würden. Der unerwartete Erfolg auf der konstruktivistischen Biennale in Nürnberg im Jahre 1969, die Überraschung, die der rumänische Beitrag in diesem großen Wettbewerb auslöste – und hoch-signifikantes Lob erntete, etwa von Max Bill, einem der europäischen Veteranen der Bewegung mit einer feierlichen Retrospektive dort – könnten dieses Gleichgewicht zwischen dem theoretischen Stand und der tatsächlichen Praxis des schöpferischen Akts gestört haben.

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Sigma 1 Group, 1969 – Mitglieder, ca. 1980: Stefan Bertalan, Constantin Flondor, Doru Tulcan, Ioan Gaita, Elisei Rusu, Lucian Codreanu /

Sigma 1 führt die Erfahrung von Group 1+1+1 fort und erweitert sie.

Manifest und Prinzipien der Gruppe:

  • Teamarbeit
  • Das Studium der Wege, die zur Formbildung führen; Ordnungsprinzipien
  • Integration und Annäherung an benachbarte Studienfelder; Psychologie, Kybernetik, Bionik, Mathematik und Architektur
  • Natur und Umwelt – ein Ort für Forschung und Aktion
  • Die Entwicklung eines pädagogischen Manifests
  • Formen einen Nutzen geben. Die Ästhetik nützlicher Formen
  • Die Diversifizierung der Konfigurationsmedien (Papier, Pappe, Holz, Acrylglas, Aluminium, synthetische Fasern)
  • Die Nutzung von Fotografie und Film (S8 mm) als Wissens- und Darstellungsmedien

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Aufgrund der Tatsache, dass die Natur nicht für sich selbst sprechen kann, können die ausgestellten Kunstwerke als Plattformen betrachtet werden, die Verbindungen zwischen Natur und Betrachter anregen.

Als er so gestärkt zur Malerei zurückkehrte – „Malerei wird wieder meine Ur-Magma“ schrieb er 1984 – hatte sein Talent das neugefundene Vertrauen einer tiefgründigen Ordnung und ruhigen Intensität.

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“In mir gibt es stets eine Geometrie, die arbeitet” – erklärt Flondor in einem Tagebucheintrag – “ ein Durst nach Ordnung, der die Formen anspannt”.

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Aristippos von Kyrene, ein gescheiter und trotziger Philosoph und ein Schüler des Sokrates, der uns ein Stück der alten Geschichte erzählt. Er ist zur See gefahren, in einem Schiff, das an der Küste von Syrakus gestrandet ist. Das erste, was der Philosoph bemerkt, ist eine in den Sand gezeichnete geometrische Figur. „Und sofort erkennt er“ – so der Text – „dass er unter Griechen ist, unter klugen Menschen und nicht unter Barbaren.“

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Als eine schüchterne Frage, die nicht auf Antworten drängt, als eine gesegnete Verwunderung, die den Künstler aus der Selbstgenügsamkeit des Ich reißt, was diese Art der Malerei heute will ist eine größtmögliche Frische, eine Unschuld fast. Jene Unschuld, die schlicht und ergreifend von Luchian beschworen wurde als sein verstecktes Auge „den Schatten einer Wolke, die über einen Obstgarten zog, einen Tropfen tau schimmernd auf der Grashalm!“ reflektierte. Wie Arghezi herzerweichend zum Tod des Malers sagte, er, der Maler des Ungreifbaren, war also so „ehrlich wie ein Grashalm“.

Zitate von Dan Haulica (Honorific President of the International Association of Arts’ Critics) und Adina Drinceanu (aus dem Katalog „If a DandeLION Could Talk“; eigene Übersetzung)